Stevens Medieval Bouzouki Faun Edition

 

 

 

Medieval Bouzouki Faun Edition

 

Von Jens Hausmann

Seit Jahren hat die Münchner Gitarrenschmiede Stevens Irish Bouzoukis im Programm. Einst in Zusammenarbeit mit Andy Irvine ins Leben gerufen, hat diese Instrumentenfamilie nun Zuwachs bekommen.

Gern wird die Geschichte erzählt, dass Andy Irvine Ende der Sechzigerjahre die griechische Bouzouki von seinen Balkanreisen mitbrachte, um sich da­heim eine irische Version mit flachem Boden bauen zu lassen. Als zündende Anregung des Musikers mag das stimmen. Aber von der Gat­tung her kommt dieses Instrument eher von der mittelalterlichen Familie der Cistern, zu der auch die hiesige Waldzither und natürlich die Mandoline zählen. Während eine Mandola eine Quinte tiefer als die Mandoline gestimmt wird, tönt unser Testinstrument eine ganze Oktave tiefer. Von daher kann man die Irish Bouzouki als Oktavmandoline mit langer Men­sur verstehen, diese wäre sonst fast zehn Zen­timeter kürzer.

So haben wir es vor allem Andy Irvine so­wie Dönal Lunny und Johnny Moynihan zu verdanken, dass die Irish Bouzouki nunmehr untrennbar mit dem Irish Folk verbunden ist. Im Allgemeinen wird häufiger auf GDAD statt GDAE gestimmt, weswegen diese Stimmung als Standard gelten darf. Im Gegensatz zu ver­einzelten Bouzoukis mit Oktavstimmung (wie bei einer zwölfsaitigen Gitarre) sind darüber hinaus bei diesen vierchörigen Instru­menten durchgehend gleich besaitete Paare die Regel.

Konstruktion

 Die Bouzoukis von Stevens orientieren sich zugunsten von Sustain und dynamischer Band­breite an Stahlsaitengitarren: die Saiten wer­den mit Pins in den Steg gehängt, und auch die Vorlage für das symmetrische X-Bracing dieser vollmassiven Instrumente stammt daher. Die Version im mittelalterlichen Stil entstand in Zusammenarbeit mit Oliver Pade von der Mit­telalterfolkgruppe Faun. Die wesentlichen Un­terschiede sind optischer Natur, aber in den Materialien ergeben sich auch klangprägende Änderungen: Für ein mittig warmes und den­noch durchsetzungsfähiges Klangbild wurde für den Korpus Wölkchenmahagoni verwendet, die Decke besteht aus Sitka-Haselfichte. Die Standardversion kommt mit der Kombination von Padouk und Engelmann-Fichte.

 Während wir es beim einteiligen Mahagonihals und dem Ebenholzgriffbrett hier mit allge­mein üblichen Hölzern zu tun haben, wurde für Steg, Kopfplatte und Rosette Walnuss ge­wählt. Da die Decke einen einfachen Rand hat und der Boden ganz auf Einfassungen verzich­tet, konnten sehr dünne Reifchen eingeleimt werden, was für mehr Flexibilität und Dynamik sorgt. In der Optik geht es klar in Richtung Mittelaltertrend: liebevoll verziert durch die Rosette, mit durchstochenem Kopf und Steg hat die Medieval-Bouzouki eine ganz beson­dere Ausstrahlung, der durch die Schaller Vin­tage-Mechaniken mit Walnussknöpfen sowie die Nussbaum-Patina in der Lackierung noch mehr Charakter verliehen wird. Kompliment: hier ist im Zusammenspiel mit den schönen Hölzern ein ansprechendes Design mit eigener Note gelungen.

 Das Firmenlogo setzt als dezente Walnuss-­Griffbretteinlage nebst filigraner Detailverzie­rung in der Decke einen geschmackvollen Ak­zent. Die offenporige Lackierung ist mit drei Schichten Nitrolack und einer Mattlackschicht etwas dünner als bei den Standard-Bouzoukis von Stevens, wobei der Hals sechs Schichten bekommt. Die Rosette lässt sich abnehmen, falls der vom Schallloch aus zugängliche 2-Wege-Halsstab einmal nachjustiert werden muss.

Handhabung und Klang

An den rundlichen Korpus muss sich der Spieler erst gewöhnen, andererseits erlaubt diese Bau­form in den hohen Lagen völlig barrierefreien Zugang. Ähnlich wie bei einer Mandoline fällt die Handhabung mit Gurt leichter. Ab Werkstatt wurde mit Saitenstär­ken 012 bis 044 bezogen, die sich bevorzugt auf GDAD oder GDAE stimmen lassen. Ersteres hilft bei der langen Mensur von knapp 65 Zentimetern zumindest auf den oberen Saiten, lange Wege zu ver­meiden und ermöglicht, das hohe D als Bordun durchschwingen zu lassen.

Bouzoukis bieten generell ein obertonreiches Klangbild mit zurückhaltenden Bässen. Unser Testinstrument zeigt sich dabei nicht ganz so sehr von der silbrig schwirrenden Seite und hat auch in den Mitten angenehm viel Wärme zu bieten. Gut, dass ihr völlig das Blecherne im Sound fehlt, das gerade bei preis­günstigen Vertre­tern dieser Gattung das Spiel verleiden kann. Zusammen mit beachtlicher Lautstärke und ge­sundem Sustain wird Stevens Medieval-­Bouzouki nicht nur den mittelalterlich orientierten Musi­ker begeistern, sie könnte auch Genre­übergreifend, über mittelalterliche und keltische Musik hi­naus, von inspirie­rendem Interesse sein, etwa als Zwei­tinstrument für Gi­tarristen. Klanglich nicht so direkt wie eine in den Materi­alien vergleichbare Gitarre, aber definierter als eine 12-Saitige wäre das eine willkom­mene Alternative, vor allem wenn Wert auf Melodiespiel gelegt wird. Bespielbarkeit und Intonation sind hervorragend, bei der Ver­arbeitung sind keine Mängel zu verzeichnen.

Fazit

Ob als optisch attraktive Irish­ Folk-Variante  mit  weicherem Sound, für mittelalterliche Mu­sik oder als Allround-Instrument für experimentierfreudige Musi­ker - die Medieval-Bouzouki von Stevens kann mit sehr guten spieltechnischen Eigenschaften, sauberer Verarbeitung und inspi­rierendem Klangbild überzeugen. Wenn man bedenkt, dass diese Variante preislich kaum über dem Einstiegs Eco-Modell von Stevens und einiges unter der Standard ­Bouzouki liegt, kann man das neue Instrument mit dem Hauch des Besonderen bedenken­los empfehlen.